ZAUBERHAFT – Die Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler in der Hamburger Kunsthalle

Eine der schönsten privaten Kunstsammlungen des frühen 20. Jahrhunderts ist zur Zeit in der Hamburger Kunsthalle zu bestaunen. Noch bis zum 16. August 2015 werden hier Meisterwerke aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler präsentiert. Das Schweizer Ehepaar trug in den Jahren 1906 bis 1936 eine umfangreiche Sammlung moderner schweizerischer und französischer Kunst zusammen – darunter Werke von Vallotton, Cézanne, Van Gogh, Bonnard, Manguin, Rénoir und Matisse. Mit all diesen Kunstwerken lebten die Hahnlosers in ihrem Haus in Winterthur – der Villa Flora – wo auch die Künstler ein und aus gingen. So entstanden Werke, in denen das alltägliche Leben der Hahnlosers festgehalten ist. „Le Thé à la Flora“ (1912) von Henri Manguin und die „Segelpartie auf dem Meer“ (1924/25) von Pierre Bonnard sind nur zwei der zahlreichen Beispiele hierfür.

Pierre Bonnard, Segelpartie auf dem Meer, 1924/25, Öl auf Leinwand, Privatsammlung
Pierre Bonnard, Segelpartie auf dem Meer, 1924/25, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Die Hahnlosers bauten ihre Sammlung vor allem über persönliche Kontakte zu den Künstlern auf. Zu ihren ersten Ankäufen gehörten die Werke des Malers Giovanni Giacometti – nicht zu verwechseln mit dem bekannten Bildhauer und Maler Alberto Giacometti, seinem Sohn. Der Schweizer Maler Félix Vallotton sorgte später dafür, dass die Hahnlosers mit so bedeutenden französischen Künstlern wie Pierre Bonnard, Édouard Vuillard, Aristide Maillol und Henri Matisse in Kontakt kamen. Vallotton selbst war des öfteren zu Gast in der Villa Flora. Hier schuf er eindrucksvoll exakte Porträts der Familienmitglieder, mit der Besonderheit, dass ihm keiner von ihnen je Modell gesessen hatte.

Vallotton Portäts
Links: Félix Vallotton, Der Arzt Arthur Hahnloser, 1909, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung, Winterthur Rechts: Félix Vallotton, Hedy Hahnloser, 1908, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung, Winterthur

Durch den regen Kontakt zu den Künstlern entwickelten Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler schnell ein Gespür für die aktuellen Kunstströmungen, allen voran für die postimpressionistische Kunst. Über Giovanni Giacometti wurden sie auf Paul Cézanne aufmerksam, dessen Kunst sich gegen die damaligen akademischen Konventionen hin zu einer modernen Bildauffassung wendete. Neben seinen Werken lassen sich weitere Spitzenwerke der großen Wegbereiter der künstlerischen Moderne finden, darunter Vincent van Goghs „Der Sämann“ (1888), Édouard Manets „Amazone“ sowie zahlreiche Werke aus der nachimpressionistischen Phase Renoirs.

Pierre-Auguste Renoir, Dahlienstrauß, 1918, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Villa Flora Winterthur
Pierre-Auguste Renoir, Dahlienstrauß, 1918, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Villa Flora Winterthur
Paul Cézanne, Provenzalische Landschaft, 1883-85, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung Winterthur
Paul Cézanne, Provenzalische Landschaft, 1883-85, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung Winterthur
Vincent van Gogh, Der Sämann, 1888, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung Winterthur
Vincent van Gogh, Der Sämann, 1888, Öl auf Leinwand, Hahnloser/ Jaeggli Stiftung Winterthur

Renoirs Werke entstanden wiederum aus einem anregenden Austausch mit Künstlern aus dem Kreis der Nabis. Hierbei sei vor allem Pierre Bonnard genannt, dessen Oeuvre in der Sammlung Hahnloser-Bühler besonders umfangreich vertreten ist. Seine seichten Sujets in Bonbonfarben, wie beispielsweise das Segeln auf dem Meer und gesellige Teerunden, prägen den Charakter der Schweizer Sammlung. Über Pierre Bonnard nimmt die Hamburger Kunsthalle auch Bezug auf ihre eigene Sammlung. Der damalige Museumsdirektor Alfred Lichtwark lud Bonnard 1913 zusammen mit Édouard Vuillard nach Hamburg ein, um in ihrem typischen, postimpressionistischen Stil Ansichten des Hamburger Hafens zu malen.

Pierre Bonnard, Die Teestunde, 1917, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Winterthur
Pierre Bonnard, Die Teestunde, 1917, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Winterthur
Pierre Bonnard, Abend am Uhlenhorster Fährhaus, 1913, Öl auf Leinwand, Hamburger Kunsthalle
Pierre Bonnard, Abend am Uhlenhorster Fährhaus, 1913, Öl auf Leinwand, Hamburger Kunsthalle

In der Ausstellung „Verzauberte Zeit“ kommen über 200 Werke von 20 unterschiedlichen Künstlern zusammen, die einstmals allesamt die Villa Flora schmückten. Heute sind viele der Werke noch im Besitz der Stiftung Hahnloser/Jaeggli sowie aus Privatsammlungen und den Beständen bedeutender Museen. Die Hamburger Kunsthalle hat mit „Verzauberte Zeit“ eine wahrhaft inspirierende Ausstellung geschaffen. Die postimpressionistischen Meisterwerke leuchten nahezu um die Wette und sind ein Genuss für das Auge. Sie sollten sich dieses Fest der Sinne daher auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Wer es nicht bis zum 16. August 2015 nach Hamburg schafft, hat im Anschluss die Möglichkeit, die Ausstellung in veränderter Form im Musée Marmottan Monet in Paris, im Kunstmuseum Moritzburg in Halle/Saale oder in der Staatsgalerie Stuttgart zu bewundern.

Lassen Sie sich VERZAUBERN!

Hamburger Kunsthalle

Glockengießerwall

20095 Hamburg

Öffnungszeiten: Di-So 10-18h, Do 10-21h, Mo geschlossen

http://www.hamburger-kunsthalle.de/


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